BY BONNIE BARKMEYER AND CLAUDIA RAAB

Published here Deutsche in Melbourne – https://www.deutscheinmelbourne.net/

Außergewöhnliches in Melbourne: Erstmalig nimmt die deutsche AFL-Nationalmannschaft am sechsten Internationalen AFL Cup teil, der derzeit in Melbourne ausgetragen wird. Bonnie Barkmeyer sprach für Deutsche in Melbourne mit den deutschen Spielern, deren Herz dem australischen Footy mehr als dem deutschen Fußball gehört.

Deutschland-Farben in Melbourne

13:30 Uhr, Football Oval Elgar Park in Melbournes Stadtteil Box Hill. Coach Mark Woods läßt das Aufwärmtraining beginnen und sein 26-köpfiges Team seitwärts über das Feld sprinten. Eine Szene, die Samstags während der Footy-Saison hundertfach in Melbourne zu beobachten ist. Auffällig ist an Trainer Woods Team allerdings eins: Die Farben der Socken. Schwarz, Rot und leuchtendes Gold – Deutschlands Nationalfarben! In der Tat, das Team, das der Australier Mark Woods trainiert und das gleich gegen seinen heutigen Gegner Japan antreten wird, ist die deutsche Australian Football League (AFL)-Nationalmannschaft, ihres Zeichens die “German Eagles”.

Spieler und Trainer haben sich vergangene Woche auf die über 16.000 Kilometer lange Reise von Deutschland nach Melbourne – der Heimat des “Aussie Rules Footballs” – gemacht, um hier zum ersten Mal am Internationalen AFL Cup teilzunehmen. Insgesamt treten 26 Mannschaften bei dem diesjährigen internationalen Wettbewerb an, den es seit 2002 gibt und der einzig alle drei Jahre stattfindet. Neben Teams aus Asien und Nordamerika sind 2017 acht europäische Männer- und Frauenteams eingeflogen. Neben den German Eagles sind dies die “Irish Banshees”, die “European Crusaders”, die “Great Britain Bulldogs”, die “Great Britain Swans”, die “Croatian Knights”, the “Irish Warriors” und die “French Coqs”.

Footy ist Teil des “Aussie way of life”

Vor dem Spielbeginn gegen Japan: Die deutsche AFL-Nationalmannschaft

Australian Rules Football? Nicht ganz so vertraut mit dem Begriff? Kein Problem: Die Australian Football League, besser bekannt unter AFL, spielt eine wichtige Rolle in der australischen Geschichte und vor allem der australischen Kultur. Die erste Saison begann im Jahr 1896 und einzig mit Teams aus dem Bundesstaat Victoria, in dem die Sportart noch heute am beliebtesten ist. Heute wie damals ist “Footy” ein Teil des “Aussie way of life”. Teams aus allen Staaten Australiens treten jedes Jahr gegeneinander an. Der jährliche AFL Premiership ähnelt von der Professionalität her der Bundesliga in Deutschland, und die Spieler verdienen genügend, um Footy Vollzeit zu spielen.

Im Gegensatz zum Fußball ist das Spiel, das auf einem ovalen Spielfeld ausgetragen wird, allerdings anstelle von zwei in vier Spielzeiten von normalerweise 20 Minuten unterteilt. Tore, wie wir sie aus dem Fußball kennen, gibt es nicht. Vielmehr muß der ovale Ball zwischen vier Pfosten unterschiedlicher Höhre geschossen werden. Können ihn Spieler zwischen die beiden längsten in der Mitte plazieren, zählt das sechs Punkte und gilt als Tor. Wird er jedoch zwischen einen langen und einen kürzeren gekickt, dann erzielt dies lediglich einen Punkt und gilt als “behind”. Aussie Rules Football ist eine Sportart mit extrem hohem Körperkontakt. Die Spieler und Spielerinnen können ihre Gegener “tacklen”, wenn diese im Ballbesitz sind – ähnlich dem American Football oder dem Rugby. Allerdings ist es den Spielern nur erlaubt, unterhalb der Schulter zu “tacklen”, keinesfalls am Kopf oder Hals. Alle Spieler können übrigens überall auf dem Feld stehen oder laufen und ein sogenannter “Runner” kann ihnen jederzeit und überall Botschaften des Trainers überbringen.

Australian Football League of Germany gegründet

Apropos “Runner” – beim heutigen Spieler der “German Eagles” wird diese Aufgabe kein geringerer als der ehemalige Trainer der deutschen AFL-Nationalmannschaft Troy Pedder übernehmen. Seine Arbeit als Projektmanager brachte den MelburnianDer Australier Troy Pedder hat vier Jahre die deutsche AFL Nationalmannschaft in Deutschland trainiert 2009 nach Berlin. “Winter there is pretty tough. You get locked down for six months” erinnert er sich lachend. Um aktiv zu bleiben, schaute er nach einer Sportmöglichkeit und fand tatsächlich einen AFL-Club in Berlin. Tatsächlich gibt es in Deutschland eine Australian Football League of Germany (AFLG), in der momentan acht Vereine spielen. Die ersten Team Deutschland waren die 1996 gegründeten Frankfurter Redbacks und die Münchner Kangaroos. Die erste AFLG startete 2003 mit vier Vereinen. 2017 sendet Deutschland nun zum ersten Mal sein deutsches Nationalteam zu dem Internationalen AFL-Wettbewerb in Melbourne.

Troy Pedder, der das Team von 2009 bis 2014 trainierte, wundert das nicht: “The players are so keen to learn. They have so much passion for it,” meint er. Seiner Meinung nach sogar mehr als manch Australier, da hier das Footyspielen einfach zum Leben dazugehöre, die Spieler in Deutschland es jedoch aus Leidenschaft gewählt hätten.

Kapitän der “German Eagles” als Schüler in Melbourne

Gut erkennbar in Melbourne an den Socken in Deutschlandfarben: die deutsche AFL Nationalmannschaft

Bestes Beispiel dafür ist der Kapitän der “German Eagles”, Florian Naumann. Aus Liebe für “Aussie Rules Football” und die Möglichkeit, erstmalig an einem internationalen Spiel in Australien teilzunehmen hat er sogar seine Job in Deutschland gekündigt, um sich voll auf den Sport konzentrieren zu können. Entdeckt hat er ihn übrigens vor elf Jahren, als er als Ausstauschschüler in Melbourne lebte. Damals mußte ihn seine Footy-fanatische Gastfamilie zunächst noch überzeugen, dass er mit ihnen ein AFL-Spiel besuchte. Doch nach vier weiteren stand für den jetzt 27-Jährigen, der zuvor Fußball-Torwart war und Handball gespielt hatte, rasch fest: Das ist der Sport, den er liebt.

Footy sei für ihn die perfekte Mischung aus Fußball und Handball. Man kicke und fange den Ball, meint er. “The game is also really tough – there are no divas or actors on the ground!” Doch das ist nicht allein, was den Deutschen an der australischen Sportart fasziniert. “Footy is not just about what´s happening on the ground. It’s a fantastic community where if you need any help you can get it not just in Germany or just in Euroope, but in fact they can help you worldwide.”

Aussie  Rules Football bietet mehr Möglichkeiten als Fußball

Fabian Cordts ist der derzeitige Vorsitzende der Australian Football League of Germany und einer der treibenden Verantwortlichen für die Gründung der deutschen AFL-Liga. Wie Florian spielt auch er in der deutschen AFL-Nationalmannschaft und 17 AFLG 06lernte ebenfalls das Spiel während eines Schüleraustauschs in Melbourne kennen und lieben. Als er zurück nach Deutschland kehrte, fand er einige Gleichgesinnte, die ebenso wie er darauf brannten, Aussie Rules Footy zu spielen und gründete mit ihnen den Hamburger “Dockers Football Club”.

Fabians sportliche Laufbahn hat ihn sowohl Basketball, Handball als auch Fußball spielen lassen. Jedoch sagt er, daß Aussie Rules Football ihm ungeahnte Möglichkeiten gäbe. “In Deutschland ist es eine gute Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen und zu Städten zu reisen, in denen man vorher noch nicht war,” sagt er. All diejenigen, die die in Deutschland weniger bekannte Sportart ausprobieren möchte, ermuntert er dazu. “Geht raus. Findet heraus, wo der nächste Club ist und wenn ihr einen gründen möchtet, dann helfen wir gern! Wir können euch sogar mit Pullovern und Bällen versorgen.”

ENGLISH TRANSLATION

The national German AFL team have made the long journey to the home of Aussie Rules football for their very first participation in the International Cup. The ‘German Eagles’ are playing teams from all over the world in a 2-week tournament here in Melbourne. There are a total of eight teams from Europe in both the male and female competition, with other teams originating from parts of Asia and North America. The Irish Banshees (male team), the European Crusaders, the Great Britain Bulldogs (male team), the Great Britain Swans (female team), the Croatian Knights, the Irish Warriors (female team) and the French Coqs are participating in the sixth International Cup tournament that only occurs every three years. The popularity of the Australian footy game has increased overseas since the conception of the International Cup in 2002, where only 11 teams competed. This year, Melbourne hosts a total of 26 teams; 10 teams competing in division 1 and 8 team in both division 2 and the women’s league.

So what is Australian Rules football? The Australian Football League (AFL) is an important part of Australian history and the first season was started all the way back in 1896, although the teams were only from Victoria. Today, the footy is just as significant to the Aussie way of life as it was back then, with teams from all around Australia competing every year for the Premiership. The AFL is an elite competition, with a similar level of professionalism as the Bundesliga in Germany. The players earn enough money in the sport to have this as their full-time profession.

The game is broken into 4 quarters with breaks after every term. In the AFL the quarters have a 20-minute duration, but the International Cup has been modified to 17-minute quarters. After every quarter, the teams swap goal ends. There are 4 posts at each end of the oval-shaped field, 2 small ones and 2 taller ones. When the football is kicked between the two tall posts it is a goal and the team receives 6 points, but when the ball is kicked between a tall post and a small post it is only 1 point, what is known as a ‘behind’.

The game is very physical and players are able to ‘tackle’ one another when their opponent has the ball, similar to American football or rugby. However the players are not allowed to tackle anywhere close to their opponent’s head or neck, it must be below the shoulders. The players are allowed anywhere on the field with no restrictions, however most teams have structures where some players stay in the defence end and some players keep to their attacking end. When the ball goes out of bounds, the umpires throw the ball in over their heads to two nominated ruck players from each team who try and tap the ball to their players, like at the start of a basketball game. This is different to soccer where the team who touched the ball last before it went over the line no longer has possession.

The Eagles are Germany’s first national representative Australian Rules football team, and their passion for the game is clear. There is an Australian Football League of Germany (AFLG), which is currently played by eight clubs. The first football teams in Germany, the Frankfurt Redbacks and the Munich Kangaroos, were founded in 1996, and the first season of AFLG began in 2003 with four clubs. This is the first time Germany has flown their national team overseas to compete in a competition, and the players certainly had to sacrifice a lot for the sport they love.

27-year-old Florian Naumann is the captain for the German Eagles and his admiration and commitment to the game is certainly recognizable. He even quit his job as a real estate manager in Germany before he came over to play in the tournament, so he could focus all his energy into the game!

He first came across the sport when he travelled to Melbourne as an exchange student eleven years ago. With a bit of convincing from his footy-mad host family, he attended five AFL games in Melbourne and instantly admired the sport.

“I just love the game because I am a former soccer goal keeper and I also played European handball,” he said.

“[Footy] is like the perfect mix between the two, where we are kicking the ball and catching it. The game is also really tough – there are no divers or actors on the ground!”

It’s the communal part of Aussie rules football that Florian loves the most about the sport and he says there is a real sense of belonging when you play in a team.

“Footy is not just about what’s happening on the ground,” he said.

“It’s a fantastic community where if you need any help you can get it not just in Germany or just in Europe, but in fact they can help you worldwide.”

Fabian Cordts is the current president of the AFLG and was a key contributor in setting up the league. He plays with Florian in the national team and similarly to the Eagle’s captain, Fabian came to Australia when he was 15 on a school exchange, where he tried footy for the first time. He has now been playing for almost 15 years. When he returned back to Germany, he found some other people who were keen to give Aussie Rules footy a go and formed the Hamburg Dockers Football Club. There were already a couple of teams in Germany before this, however his team was the fourth club to be created, meaning they were able to play in a proper competition now they had enough teams.

Fabian has a history of playing many sports including basketball, European handball and of course soccer, but says there are just so many opportunities to come out of Aussie rules football.

“In Germany, it’s a great opportunity to meet new people and to travel to cities where you haven’t been to before,” he said.

“It brings a few concepts together that you usually don’t have.”

He couldn’t be more encouraging of people who want to give the sport a try.

“Get out there!” he said,

“Find out where the nearest club is. If you want to start a club, we are always supportive and we can supply the jumpers and the footballs.”

By Bonnie Barkmeyer.

About the author:

The Australian Bonnie Barkmeyer is a second year journalism student at RMIT in the city. She is currently working with the AFL Europe as an intern and has been assigned to the German Eagles team. After each game, she writes match reports which are published on the AFL Europe website.

Bonnie lived in Bonn, Germany for one year in 2015 and worked as an au pair, where she grew to love the special country as her second home. She can’t wait to go back to Germany!